Ein Pudel Namens Brändy

Ein Pudel Namens Brändy

Die Zwergpudelhündin „Brändy von der Zipfelmütze“ (sieh hieß wirklich so!), von mir Püppi genannt, kam völlig unerwartet in mein Leben. Mein neuer Lebensgefährte brachte sie eines abends mit nach Hause. Seine Expartnerin wollte den Hund nicht mehr haben. Vorsichtshalber klingelte mein Mann an der Haustür und als ich öffnete, sah ich in vier fragende Augen. Ein Bild für Götter!

Für mich als bekennender Hunde-Narr, gab es natürlich keine Frage, ob der Hund bleibt oder nicht, obwohl ich ja schon den wunderbaren Robin hatte. Aber ein Pudel??? Irgendwie waren Pudel für mich Modepüppchen, die ständig froren und getragen werden wollten.
Püppi lehrte mich, zu erkennen, was für tolle Hunde Zwergpudel sind. So richtige, ganze Kerle. Klein, aber mit einem Löwenherz und einer erstaunlichen Intelligenz.
Auch meinem Rüden Robin verdrehte sie im nu den Kopf.
Sie machte im Park die großen Hunde an und versteckte sich dann hinter ihm. Robin war aber kein Kämpfer, er war friedlich und ein absoluter „Pazifist“. Irgendwie kam er jedes Mal um eine Rauferei herum und zum Glück stellte Püppi diese „Anmacharien“ bald ein.

Die zwei Hunde und zwei Menschen waren schnell ein gutes Team.
Zwei Jahre durfte ich mit Püppi verbringen.
Zwei Jahre die so kurz und doch so voller guter Erfahrungen waren.
Denn Püppi war schon alt und krank, und musste eines Tages eingeschläfert werden. Wie sie beim Tierarzt so in meinen Armen lag, erzählte ich ihr, sie solle Opa grüßen, erzählte ihr, wie sie wieder ohne Schmerzen mit meiner Schäferhündin Laika auf der Wiese unter einem blühenden Kirschbaum spielen würde, wie sie Opa beim Angeln zusehen würde, und dass sie ruhig mal einen Fisch mopsen könne. Nun, ich erzählte ihr noch einen Haufen Zeug, was man so erzählt, wenn die Verzweiflung und der Schmerz des Loslassens das Herz würgt.
Dann bat ich sie, mir ein Zeichen zu geben, wenn sie dort in der anderen Welt gut angekommen sei.

Als ich die Tierarztpraxis verließ, flog eine Staffel Hubschrauber in Formation über den Treptower Park und vom russischen Ehrendenkmal erhoben sich die kräftigen Männerstimmen eines russischen Chors. Sie sangen: Do Swidanija., heißt Auf Wiedersehen. Denn es war diese  Zeit nach der Wende, als sich die Russische Armee aus Berlin verabschiedete. Man kann sich vorstellen, wie da die Tränen flossen. Aber mal ehrlich, war das nicht ein würdiger Abschied für eine Hündin Namens Püppi?

Nun, eine Nacht später, wachten wir auf, weil eindeutig jemand mit den Krallen an der Lammellentür des Kleiderschranks kratzte. Püppi! Wir saßen senkrecht im Bett. Sie hatte sich das angewöhnt, als sie krank wurde, um uns zu wecken, wenn sie uns brauchte. Mein Lebensgefährte machte Licht an. Was für ein Bild. Mein Hund Robin stand vor dem Schrank und spielte wedelnd mit Nichts? Er schleckte den Nichts die Nase ab, und wedelte sich fast den Schwanz ab. Jetzt wussten wir dass Püppi gut angekommen war. Wir löschten das Licht, und dann spürten wir, wie Püppi aufs Bett hopste, und über die Decke lief. Dann war sie weg. Robin legte sich wieder hin, und auch ich kuschelte mich unter die Decke.
Mit einer Träne im Knopfloch, aber doch glücklich, schlief ich ein.
Eine Hundeforscherin wurde einmal im Interview gefragt: Kommen Hunden in das Paradies? Ihre kluge Antwort war:

Wäre es sonst ein Paradies?

 

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