Es war einmal vor vielen Jahren …

Es war einmal vor vielen Jahren …

Diese Rubrik gehört klar der Kindheit. Kinder verstehen die Welt völlig anders als wir Erwachsene. Schade eigentlich, dass uns das im Laufe der Jahre abhanden kommt.

Nun, mir erging es so wie wohl allen Kindern auf dieser Welt: Die Eltern und überhaupt alle Erwachsenen wussten und konnten alles!
So glaubte ich meinen Eltern natürlich blind, als sie mich mit den Worten in die Schule lockten: „Du willst doch lesen und schreiben lernen!“
Bei allen Göttern, das wollte ich! Unbedingt!
Erstens hatte ich ja einen älteren Bruder, der diese wunderbare Kunst schon beherrschte, und zweitens hörte ich immer wieder den Spruch „wenn du lesen kannst, darfst du das Märchen alleine zu Ende lesen“.

Bücher waren offensichtlich von Geburt an meine Leidenschaft. Ich liebte und liebe immer noch Bücher über alles und so ging ich frohgemut zur Schule.
Zu meinem Verdruss lernte ich nicht nur Lesen und Schreiben, sondern musste mich, für mich völlig unverständlich, noch mit anderen Fächern abplagen.
Nachdem ich das Einmaleins intus hatte, hoffte ich, dass die Lehrerin zur Vernunft kommt und uns endlich schreiben und lesen läßt. Doch weit gefehlt. Jeden Tag fiel ihr etwas anderes ein, womit sie uns vom „Wesentlichen“ fernhielt.
So richtig hatte ich das nicht verstanden. Konnten meine Eltern sich denn so sehr irren? Es war schließlich nie die Rede davon, dass ich Sachen lernen sollte, die ich gar nicht lernen wollte!

Nach jeden kleinen Schulferien schöpfte ich die Hoffnung, dass es besser würde, … wurde es aber nicht.
Offensichtlich können auch Kinder durchaus geduldig sein. Ich jedenfalls ließ den Unterricht geduldig über mich ergehen. Schließlich war das Jahr irgendwann zu Ende.

Endlich war es soweit! Der letzte Schultag! Ich hatte das Jahr überstanden, konnte Lesen und Schreiben, verschlang schon Kinderbücher so schnell es eben ging und behaupte jetzt einmal, dass ich an diesem letzten Schultag der ersten Klasse ein sehr, sehr glückliches Kind war.
Strahlend verabschiedete ich mich von der Lehrerin und bedankte mich höflich für alles, was sie mir beigebracht hatte. So etwas war der Lehrerin auch noch nicht passiert.
Lächelnd sagte sie mir, dass ich im nächsten Jahr noch viel mehr lernen würde. Ich lächelte freundlich zurück und ging meiner Wege.
Na, wenn sie dachte, ich würde mir noch einmal ein Jahr um die Ohren schlagen, indem ich zur Schule ginge, hatte sie aber etwas nicht verstanden. Jetzt fing mein Leben an! Lesen, was und wann ich wollte, und schreiben…! Jawohl!!! Auch wenn ich keine Ahnung hatte, was ich eigentlich schreiben wollte (manche behaupten, das hätte sich nie geändert).

Sie können sich mein Entsetzen sicher vorstellen, als ich so nebenbei mitbekam, dass meine Eltern die Auffassung der Lehrerin hatten. Mit Händen und Füßen wehrte ich mich gegen die Idee, noch ein Jahr in die Schule zu gehen. Es nützte auch uberhaupt nichts, dass ich mich doch schon von der Lehrerin verabschiedet hatte.
Als meinem Vater dieses Thema zum Halse heraushing und er mir erklärte, dass wir bis zum 16ten Lebensjahr Schulpflicht hätten, sah ich traurig meiner rabenschaften Zukunft entgegen. Ich musste also zur Schule gehen, bis ich alt war. Wie furchtbar!

Alle in der Familie, ausser natürlich mir, ahnten von dem Tag an, dass die nächsten zehn Jahre für uns alle nicht leicht werden würden. Nun, so schlimm ist es dann doch nicht gekommen….“na ja“, höre ich meine Mutter sagen.

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