Jeder fängt mal klein an

Jeder fängt mal klein an

Sie, und ich also auch. Als hätte ich meinen späteren Beruf erahnt, bestand ich sehr früh darauf, „meine Geschichten“ zu erzählen. Mein erstes Publikum waren die Kinder im Kindergarten.

Die Kindergärtnerin war ganz klar mein erster Fan. Wenn wir 30 Kinder nicht mehr zu bändigen waren, hat sie mich auf einen Stuhl gestellt und kündigte an, dass ich nun eine Geschichte erzählen würde, die ich dann aus dem Nichts erfand. Es trat tatsächlich sofort Ruhe ein. Ich war quasi die „Geheimwaffe“ des Kindergartens.
Natürlich vermischten sich Rotkäppchen, die Sieben Zwerge, Rapunzel und andere bekannte Märchengestalten in meinen Geschichten. Über Hölzchen zum Stöckchen kam ich, und natürlich war der Wolf ein ganz Lieber, der die Zicklein rettete und sie nicht etwa als Vorspeise auf dem Plan hatte. Auch Rotkäppchen´s Großmutter kam ungeschoren davon. Da war der Wolf Trauzeuge, als die Oma und der nette Förster heirateten.
Selbstverständlich hat sich die Königin liebevoll um Dornröschen gekümmert, war sie doch die Einzige, die nicht in den Schlaf fiel.
So und ähnlich waren damals meine „legendären“ Geschichten.

Alle fanden das gut, nur mein älterer, korrekter Bruder fand, dass ich noch nicht mal richtige Märchen erzählen könne. Er war mein erster Kritiker.
Eigentlich hatte ich damals schon alles, was man zu einer großartigen Karriere braucht:
Mein Stammpublikum, familiären Rückhalt, einen Fan und einen Kritiker!

Leider hat damals kein Mensch daran gedacht, die Geschichten aufzuschreiben und so blieb mir früher Ruhm erspart.

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